2018-06-27 6271645 kleinGrüne Thomas Marwein+Susanne Bay.jpgLärmschutz – für viele ein Bedürfnis

Bericht von Susanne Bay, 05.07.2018

„Lärm ist Gestank im Ohr“, das war die Erkenntnis des US-Schriftstellers Ambrose Bierce bereits im 19. Jahrhundert. Dass Lärm darüber hinaus auch schwere gesundheitliche Folgen haben kann, referierte Thomas Marwein, MdL, seit 2016 Lärmschutzbeauftragter der Landesregierung, auf Einladung seiner Grünen Fraktionskollegin Susanne Bay, MdL, bei „offen gesprochen mit den Grünen“. An den Lärmschutzbeauftragten können sich alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anfragen rund ums Thema Lärm wenden. Bei den geschilderten Problemen geht es vielfach um Verkehrslärm, aber auch Lärm aus der Nachbarschaft und Freizeitlärm ist für viele ein Problem. Motorradlärm und röhrende Autoauspuffanlagen werden als besonders lästig empfunden, weil sie aus technischen Gründen eigentlich nicht nötig sind, sondern hier die dezibelmäßige Entfaltung einzelner anderen die Ruhe raubt. „Ich bin gut beschäftigt und kann doch vielen Menschen durch das Dickicht der zahlreichen Gesetze und Regelungen helfen, die es zum Thema Lärm gibt“, so Thomas Marwein zu seiner Arbeit. Das Land Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem es einen Lärmschutzbeauftragten gibt. „Die Fülle der Anfragen zeigt mir, dass Lärmschutz ein Thema ist, das wir zu Recht bearbeiten“, ist Marwein überzeugt.

Zusätzliche Information zum Thema Lärmschutz:

erstellt von Eva Luderer, 05.07.2018

Lärm kann auf Dauer der Gesundheit schaden und kann die Ursache sein u.a. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes 2 und Brustkrebs. Einer Studie zufolge sterben in der EU jährlich 16‘000 Menschen an den Langzeitfolgen.

In BaWü sind 700‘000 Menschen von übermäßigem Lärm betroffen. Bis jetzt ist BaWü das einzige Bundesland, das einen Lärmschutzbeauftragten hat. Das Land hat den Kommunen vorgegeben, einen Lärmaktionsplan zu entwickeln. Seit 2013 sind die Kommunen verpflichtet zur Lärmaktionsplanung und zur Mitwirkung der Öffentlichkeit.

Leider gibt es bis jetzt noch keine Lärmkennzeichnung und auch keine einheitliche Vorgabe, wie hoch die Lärmbelastung allgemein sein darf. Zudem wird Lärm je nach Verursacher unterschiedlich gemessen. Eine Gesamtlärmverordnung ist dringend erforderlich, so Marwein beim „offen gesprochen mit den Grünen“. Wichtig ist dabei auch, dass die verschiedenen Lärmquellen nicht nur einzeln, sondern gemeinsam ermittelt werden, z.B. Straßen- und Schienenverkehr. Das ist allerdings Aufgabe der Bundesregierung die nötigen Gesetze dafür zu erlassen.

Beim Bau von Gebäuden gibt es eine Tatbestandsvoraussetzung für eine durch Lärm verursachte Gefahrenlage. Beim Überschreiten der Werte von sind bauliche Maßnahmen von Seiten der Kommune erforderlich, wie das Errichten einer Schallschutzwand. Der Einbau und Bezuschussung von Schallschutzfenstern ist dagegen die 2. Wahl, wenn keine anderen Maßnahmen greifen.

Eine Möglichkeit der Lärmverminderung wäre u.a. bei der Zulassung von Autos und Motorrädern ein Verbot der Testzykluserkennung, zudem ein Verbot für entfernbare Schalldämpfereinsätze bei Motorrädern und eine Strafverschärfung bei Nichtbeachtung. Auch beim Schienenverkehr ist Geräuschminderung möglich und es gibt bereits jetzt Güterzüge, die weniger Lärm verursachen. Die Schweiz lässt ab 1.12.2020 nur noch leise Güterzüge in die Schweiz ein- und durchfahren. Wünschenswert wäre das auch für Deutschland, doch das ist, wie schon erwähnt, eine Aufgabe des Bundes.