2018-01-31 2320 klein offen gesprochen Bocher.jpgSozialdatenatlas offenbart Überraschungen und bestätigt Erwartetes

Bericht von Karl-Heinz Kimmerle

Der aktuelle Sozialdatenatlas der Stadt Heilbronn ist wohl die wichtigste Grundlage für die städtischen Planungen im sozialen Bereich und auch für den Gemeinderat. Der Leiter des Amtes für Familie, Jugend und Senioren, Herr Bocher, stellte auf Einladung der GRÜNEN den anwesenden Mitgliedern und Gästen interessante Informationen aus diesem Atlas vor und löste damit angeregte Diskussionen aus.

So überraschte, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Heilbronn in den kommenden 10 Jahren nach leichten Anstiegen kaum oder nicht abnehmen wird, bei den Jugendlichen gar bis zum Jahr 2035. Die Frage, was wir mit leerstehenden Kindergärten oder Schulen machen wollen, wird sich also in diesem Zeitraum nicht stellen, im Gegenteil. Netto-Zuzüge, wesentlich auch von eingewanderten Menschen und Flüchtlingen sowie die Kinder geburtenstarker Jahrgänge bescheren unserer Stadt eine Verjüngungskur und ein konstantes Bevölkerungswachstum. Dass Hebammen, Erzieher*innen und Lehrkräfte fehlen, ist die andere Seite dieser Medaille.

Interessant ist auch die Verteilung wirtschaftlich schwacher Menschen und Migranten auf die verschiedenen Stadtteile. Dabei wird die Konzentration beider Bevölkerungsgruppen in der Innenstadt und ihren äußeren Bezirken sowie in Böckingen deutlich. Susanne Bay, MdL und Sprecherin für Bauen und Wohnen in der GRÜNEN Landtagsfraktion, betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit einer Quote für bezahlbare Wohnungen bei Neubauvorhaben in allen Stadtteilen. Dies sei neben der Bezahlbarkeit der Mieten auch wichtig, um eine soziale Mischung über die Gesamtstadt sicher zu stellen.

Dass eine Gemeinderatsmehrheit auf der letzten Sitzung das Mobilitätsticket mit der Stimme des Oberbürgermeisters Harry Mergel (SPD), gegen die Stimmen der GRÜNEN abgeschafft hat, sorgte für Empörung in der Diskussionsrunde. Dieses von der Stadt geförderte Ticket ermöglichte Sozialhilfe- und Hartz IV-Empfänger*innen sowie Flüchtlingen für 20 Euro im Monat die Busse und die Stadtbahn in der Region in Anspruch zu nehmen und wurde von rund 1.500 Menschen genutzt. Mit lediglich 330.000 Euro belastet diese Unterstützung der ärmsten Menschen in unserer Stadt den Haushalt. Im Vergleich zur Kultur- und Sportförderung, zur Bäder- und Verkehrsförderung oder den kostenfreien Kindergärten sei dies ein geradezu zu vernachlässigender Betrag.

„Bezahlbare Wohnungen und eine ökologische und soziale Verkehrsentwicklung in unserer Stadt bleiben deshalb auf der Agenda der GRÜNEN-Ratsfraktion“, so Susanne Bay abschließend.

 

Den Sozialdatenatlas kann man lesen unter:

https://www.heilbronn.de/familie-gesellschaft/sozialdatenatlas.html